aus dem Metapher-Buch: "Die Angst des Apfels vor dem Fall" Impulsgeschichten

 

Das ungleiche Paar


„Jetzt freu dich doch,“ mahnte Erlandus seine Frau, „immer bist du so griesgrämig – warum bloß? Was fehlt dir denn zu deinem Glück, du hast doch alles.“ Lindana schüttelte nur den Kopf und gab keine Antwort. Im Stillen dachte sie: „Du Tor, was weißt du schon“ und erklomm mühsam die letzten Meter auf dem Hang. Erlandus verstand seine Frau nicht, warum war sie nicht glücklich? Er gab sich solche Mühe und las ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Das Einzige, was er ihr nicht geben konnte, wozu sie beide nicht fähig waren, war gemeinsam Kinder zu bekommen. Natürlich schmerzte ihn das auch, aber um nichts in der Welt hätte er eine andere Frau genommen.

 

Er war, trotz dieses Umstandes, sehr glücklich, und er fand auch, dass sie prächtig zusammen passten. Sie war ausnehmend hübsch in ihrem schillernden Blau. Nun waren sie in seiner Verwandtschaft alle dagegen gewesen: „Das geht doch nicht! Ihr könnt euch nie vermehren!

 

So was tut doch nicht gut! Bleibt unter Euresgleichen! Ihr werdet schon sehen, Gott wird euch strafen!“. So ging es die ganze Zeit. Es war so schlimm, dass sie sich entschlossen wegzuziehen.

 

Aber jetzt waren sie schon vier Jahreszeiten von seiner Heimat weg. Diese ständigen negativen Reden hatten aufgehört, und es gab wirklich keinen Grund, traurig oder sauer zu sein.

Den ganzen Tag konnten sie sich auf dem Weinberg tummeln, und jetzt im Hochsommer, wo manche Trauben schon voll heran gereift waren, hatten sie praktisch ein Schlaraffenland. Sie konnten die bereits schon etwas überreifen Weintrauben vertilgen und sich den Bauch mit diesen wunderbar schmeckenden, gärenden Früchten voll schlagen und ihren Schwips dann anschließend im Schatten der großen Blätter ausschlafen. Es gab so gut wie niemanden, der sie hier störte oder gar bedrohte. Im Schutze der langen Reihen der Weinreben ließ es sich ungestört verweilen. Man hatte schließlich gelernt, sich auch vor der Entdeckung des Weinberg-Besitzers zu schützen, der ab und zu auf Stippvisite kam. Er hatte sie auch noch nie entdeckt.

 

Seine Frau nippte gerade an einer der überreifen, blauen Traube und er tat es ihr nach.


Kurz danach lagen sie halb betrunken im hohen Gras, die blau schimmernde Mistkäferin neben dem tiefschwarz-glänzenden Hirschkäfer - und ruhten sich lange aus.

 

 


 

Auszug aus dem Buch "Mit den Augen eines Liebenden" - Variationen zum Thema Liebe

 

Verschlossene Seelen

 

Angelo und Maren gingen schweigend nebeneinander her. Sie waren erst ein paar Monate zusammen und hatten sich schon jetzt nichts mehr zu sagen. Angelo schluckte, aber mit dem Kloß im Hals fiel es ihm schwer. Maren liefen rechts die Tränen langsam die Wangen hinunter. Seltsam, links von ihr ging Angelo, aber sie weinte rechts.

 

Sie waren am Strand angelangt. Dort setzten sie sich auf einen der großen Felsen und starrten auf das Meer. Beide beruhigten sich langsam beim Anblick der regelmäßig aufklatschenden Wellen auf den Sand. Maren fand endlich wieder ihre Sprache: „Kennst du das Märchen von den drei Wünschen?“, fragte sie Angelo. Der nickte, während er immer noch auf die Wellen sah. „Wenn du drei Wünsche frei hättest, was würdest du dir wünschen?“, richtete sie die Frage an ihn.

 

Von Angelos Seite kam erst mal Schweigen, er überlegte lange. Maren dachte schon, er würde nicht antworten wollen und begann: „Also ich würde mir wünschen, dass wir erstens die Zeit zurückdrehen könnte, bis damals als wir uns kennen lernten.“ Er sah sie nachdenklich an und antwortete: „Das würde ich mir auch wünschen.“ Dann nach einer langen Pause ergriff Maren wieder die Initiative: „Was würdest du denn dann anders machen?“ Angelo antwortete sofort: „Alles!“ „Alles?“ Marens Gesicht war ein einziges Fragezeichen. Sie war entsetzt! Alles würde sie niemals anders machen. „Was denn alles?“ Sie blieb hartnäckig.

 

Da brach es aus Angelo heraus: „Ich bin immer so unbeholfen! Ich kann dem Anderen einfach nicht wirklich sagen, was ich mir wünsche oder was ich gerne täte. Alles kommt immer anders aus mir heraus, irgendwie schief.“ Maren war bestürzt, das hatte sie nicht erwartet. Sie konnte darauf nichts erwidern. Sie blickten sich beide in die Augen und sie sah seine tiefe Traurigkeit in seinem Blick und konnte nicht anders, sie musste ihn in den Arm nehmen. Lange hielt sie ihn so und spürte die Erschütterung seines Schluchzens.

 


 

Auszug aus dem Buch:

Mystische Geschichten

 

Schmetterlinge,

überall  Schmetterlinge

 

Seltsam war das anzusehen. In allen Farben und Farbtönen leuchteten die Schwärme von diesen wunderschön anzusehenden Insekten. Insekten, was für ein hässliches Wort für so schöne Traumgeschöpfe.

 

Malika stand da mit weit geöffneten Armen und staunte über diese Vielfalt. Auf ihren Handflächen, Schultern und auf ihren Haaren hatten sich viele der Schmetterlinge niedergelassen. Sogar auf ihrer Nase saß ein prächtiger hellblauer Falter mit riesigen Augenabbildungen. Malika wagte nicht zu atmen und schielte auf das vibrierende Geschöpf und glitt in eine Art Trance, wurde selbst zu diesem Schmetterling, dessen blaue Flügel sich schlossen und öffneten.

 

Jedes Schwingen wurde zu ihrem Atem und sie fühlte sich federleicht und frei. Malika vergaß, dass sie ein Mädchen war, vergaß, dass ihre Hautfarbe braun war, vergaß dass sie menschliche Bedürfnisse hatte – zum Beispiel zu atmen, — und sich zu bewegen, in diesem menschlichen Körper. So stand sie endlos lange, völlig entrückt in die Verwandlung zu einem pastellblauen Flügeltieres, atemlos, bewegungslos. In diesen Sekunden, vielleicht Minuten blieb für Malika die Welt, wie sie sie kannte stehen und auch die Zeit wurde dehnbar. Sie spürte wie ihre Seele vereint mit diesem Schmetterlingsdasein, ihre ganze Energie, in das sanfte Pumpen der Flügel, hinüber glitt und sie spürte die Freiheit vom körperlichen Dasein. Entrückt von jeglichen Körpergefühlen, in völliger Freiheit schwebte sie schließlich mit dem leichten Geschöpf glücklich davon, als es sich endlich von ihrer Nase erhob.

 

Von oben sah sie kurz die uninteressante Gestalt eines 8 jährigen Mädchens, das mit erhobenen Kopf und ausgebreiteten Armen reglos da stand. Sie schwebte weiter in ihrem wunderschönen, leichten Schmetterlingskörper, ließ sich vom Winde tragen und flog tanzend von Blüte zu Blüte, sog die lieblichen Düfte ein und saugte zart an den Blütenstaub überzogenen Stempeln der Blumen.

 

Plötzlich spürte der hellblaue Schmetterling ein seltsames Zittern und Kribbeln, es wurde stärker und beherrschender, kaum noch aushaltbar und sie flog wie trunken durch die Lüfte, wurde angezogen von diesem vorhin achtlos zurück gelassenen Körper, der sie nun immer mehr in Bann zog. Sie flog auf ihn zu wie angesogen in atemberaubender Geschwindigkeit verschmolz sie mit dem, nun zuckend im Grase liegenden, Kinderkörper.

 

Malika lag zwischen großen Halmen auf der Erde, immer noch die Arme ausgebreitet und spürte dieses ungewohnte Kribbeln in jeder Pore. Der Schmetterlingsschwarm war nur noch in der Ferne zu sehen und sah aus wie eine bunte Wolke.

 

Je länger sie ruhig im Grase lag und ihren tiefen Atem wieder spürte, desto ruhiger wurde sie und das Kribbeln ließ immer mehr nach.

 

Lange noch blieb sie dort im Gras liegen, genoß die tiefe Ruhe in sich und die Sonnenstrahlen auf ihrer Haut, bis sie einschlief.

 

Malika erwachte von einem dicken einzelnen Regentropfen auf ihrem rechten Augenlid. Sie blinzelte durch das linke Auge und sah über sich eine dunkle Wolke.

 

Im nächsten Augenblick prasselte der Regen auf sie herab und sie sprang schnell auf um nach Hause zu laufen. Die Regenzeit hatte begonnen und die Schmetterlinge würden in diesem Jahr nicht mehr wiederkommen.



 

Auszug aus dem Buch: "Die Gerechten" - Gesellschaftskritik in Geschichtenform

 

 

Mukaba

 

Sein Körper fühlte sich an als trüge er 200 KG mit sich herum, er hatte Mühe sich aufrecht zu halten. Am liebsten wäre er weit nach vorne gebückt mit hängende Affenarmen weitergegangen. Stattdessen gab er sich den inneren Befehl, sich besonders gerade aufzurichten. Es gelang ihm auch, aber immer wieder spürte er den Sog, der ihn in die gebeugte Haltung und auf den Boden zu zog. Er widerstand und schließlich gelangte er zu seinem Wohnhaus, betrat das Treppenhaus und schleppte sich am Geländer hinauf in den 3. Stock. Endlich fiel die Türe hinter ihm zu und auch er fiel in sich zusammen. Gleich hinter der Eingangstüre legte er sich völlig entkräftet auf den Fußboden.

 

Mukaba öffnete die Augen und wusste nicht mehr wie lange er so da gelegen hatte. Ihm war kalt und er stand auf, ging in die Küche, um ein Glas Wasser zu trinken. Während er das kühle Getränk seine Kehle hinunter rinnen ließ blitzten Bilder durch seinen Kopf. Er sah einen blutigen Körper in verrenkter Haltung vor sich liegen, die starren Augen himmelwärts gerichtet. Dann wieder sah und spürte er sich in der Erinnerung eines Kampfes mit einem jungen Mann mit Glatze. Er spürte die vergangenen Schläge sowohl in seinen Fäusten, als auch dort, wo ihn die derben Schläge auf seinem Körper getroffen hatten.

 

Er tastete seine Glieder ab, alles tat ihm weh, aber er schien sonst heil zu sein. Er hielt seine aufgeschlagenen, wunden Fingerknöchel unter das kühlende Nass aus dem Wasserhahn, - lange – bis er kein Gefühl mehr darin hatte und die Kälte hoch in seine Arme kroch. Die grässlichen Bilder ließen sich nicht abschalten.

 

Mukaba stand bewegungslos in seiner kleinen Küche und starrte durch das Fenster: „Sie würden ihn verhaften, ganz sicher und sie würden ihm nicht glauben, dass er angegriffen worden war und er sich nur gewehrt hatte. Dann würden sie ihn zurück in seine Heimat transportieren und dort erwarteten sie ihn dann sicher schon am Flughafen, - ihn den politischen Flüchtling. Er würde nach langer Folter genauso enden wie der, den er gerade getötet hatte.

 

Er stand lange wie erstarrt in der Küche, als ihn das Türklingeln aus seinem Zustand heraus riss. „Da waren sie schon“ fuhr es ihm durch den Kopf und er schleppte sich resigniert zur Wohnungstüre, schaute nicht durch das kleine Guckloch. Er gab sich einen Ruck und öffnete die Türe. Draußen standen zwei Polizisten. Mukaba hörte sie sprechen, verstand aber nicht sofort. Dann endlich hörte er den Satz: “Gehört Ihnen das Auto vor dem Haus?“. Da begriff er erst, dass sie ihn nicht verhaften wollten.

 

 


 

Auszug aus dem Vorwort für Erzieher.... aus dem Kinderbuch "Honolulu liegt in Bayern"

Geschichten zum Einfühlen, Mitfühlen und Nachdenken

 

Vorwort

 

Liebe Eltern, Pädagogen, Erzieher und sonstige interessierte Menschen, denen unsere junge Generation am Herzen liegt.

 

Mein Anliegen als Erzieherin und Mutter ist schon seit langem etwas beizutragen für die junge Generation, die das Erbe unseres Planeten tragen muss.

 

Dieses Ihnen hier vorliegende Büchlein mit seinen Geschichten darin – ist im Anliegen geschrieben, Ihnen als Verantwortliche (und sind wir nicht alle für unsere nächsten Generationen verantwortlich?) für Kinderseelen,  eine kleine Hilfe an die Hand zu geben.

 

Es geht um die wirklichen Werte - um Seelenwerte in diesem Buch. Es ist ein „Mitfühlbuch,“ oder wie ich es gerne nenne „ein Mitgefühlbuch“. Und Mitgefühl hat diese Welt wahrlich nötig. Dieses Buch sollte ein wenig Hilfe sein, bei der Bewältigung der so wichtigen Themen wie: Aussenseitertum, Behinderung, Angst, Ausgrenzung,  Sündenbocksituation, Angst, Mut, Wünsche, Triebe, Gewalt, Familienelend, Gedankenlosigkeit und nicht zuletzt „das Wiederwahrnehmen der Natur“.

 

Es sind Geschichten, die nachdenklich machen, die aktuell gerade in der Welt, sogar im nahen Umkreis des lesenden Kindes passieren, mit denen sich die Kinder ohnehin auseinandersetzen müssen. Doch in unserer Verantwortung liegt es, dass sie einen einfühlenden Begleiter dabei haben und so bitte ich jeden, der dieses Buch mit seinen vielfältigen Geschichten benutzt, die Kinder dabei nicht alleine zu lassen. Die Geschichten bieten viele Möglichkeiten, von „Ins-Gespräch-kommens beim Lesen.“

 

Sie werden erleben, wie sich bei den Kindern die Seelen öffnen und Sie Gelegenheiten in Hülle und Fülle bekommen, um in ihnen zu erkennen, was sie beschäftigt, was sie ängstigt und was sie lieben.

 

   Und wenn Ihr eigenes inneres Kind noch lebendig ist, dann werden Sie selbst Gefallen daran finden mit den Ihnen Anvertrauten gemeinsam diese Geschichten zu lesen und zu diskutieren.

 

Ich wünsche Ihnen viel Freude damit.